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Erfüllte Beziehung, erfüllte Ehe - wie kann das gelingen?

Das Alltagsleben wird häufig als Zweckgemeinschaft geteilt - man teilt sich die Versorgung der Familie: das Geldverdienen, die Kinderbetreuung, den Haushalt, die familiären Aktivitäten. Die Beziehung zum Partner/ Partnerin ist Nebensache geworden.

Die Beziehung zwischen Frau und Mann ist eine große Herausfor-
derung. Das größte Wagnis im Leben kann sein, sich auf das Fremde im Mann / in der Frau an seiner Seite einzulassen. Gerade wenn eine Verbindlichkeit eingegangen wurde in Form der Ehe oder einer festen Partnerschaft, entsteht eine Nähe, in der auch Seiten zum Vorschein kommen, die man weniger gerne erlebt und nach aussen zeigt - wie z.B. Hilflosigkeit, Eifersucht, Bedürftigkeit, Gefühle der Einsamkeit, obwohl man mit dem Partner/ der Partnerin das Haus und Leben teilt .

Sich dem Gegenüber in einer guten Weise zu zeigen und auszuliefern, hat kaum jemand gelernt. Meist ist von Kindheit und Schule antrainiert worden, die unangenehmen Gefühle zu verdrängen: den Schmerz, die Schwäche, die Trauer usw. nicht mehr zu spüren. So finden sich zwei Menschen in einer Ehe mit dem romantischen Wunsch: mein Gegenüber gibt mir jetzt alles, was mir gefehlt hat. Wenn die Verliebtheit vorbei ist, kommt häufig die Erwartung, der andere soll sich dem jeweils eigenen Lebensstil anpassen. Damit erntet man früher oder später Enttäuschung, weil der Mensch, mit dem man sein Leben teilt, ein anderer, fremder Mensch ist mit eigenen Erfahrungen und eigenen Wertvorstellungen. Die Herausforderung wächst noch dadurch, dass Frau und Mann einander fremde Wesen sind.

Paare können an diesem Punkt, nach jahrelangen gegenseitigen Ent-täuschungen, zu dem Ergebnis kommen, sich trennen zu müssen, weil sie nicht gelernt haben, immer wieder auf angemessene Weise sich Abstand zu gönnen. Es kann sein, sie haben als Kind und später in der Ehe nicht erlebt, dass sie auch mit ihrer schwachen Seite geachtet werden.

Eine lebendige Beziehung entsteht dadurch, dass sich jeder dem andern ausliefern kann, wenn er sich gerade schwach, hilflos, einsam, traurig... fühlt und auf eine gute Art angenommen wird damit.

Es ist eine Frage der Verständigung und der Übung, sich auch in der Schwäche zu begegnen. Wie kann Nähe und Intimität im Sex entstehen, wo sich ein Paar nackt und ungeschützt gegenüber ist, wenn Ängste keinen Platz haben.

Viele Paare kennen den Unterschied zwischen Kritik und Abwertung nicht. Wenn Kritik in abwertender Form ausgesprochen wird, geht die Beziehung kaputt. Kritik lässt das Gegenüber bestehen und bezieht sich nur auf einen Teil des Partners, ablehnendes Verhalten trifft den ganzen Menschen.

Im Alltag muss sich ein Paar immer wieder verständigen. Wenn dieser Unterschied nicht bewusst ist, liefert man sich ganz viele Kränkungen.

Vertrauen kann wachsen, wenn im Alltag in wertschätzender Atmosphäre Raum für eine offene Begegnung ist, in dem Mann und Frau nicht kürperlich, sondern seelisch nackt sich auch in ihrer ungeliebten Seite gegenseitig zeigen künnen. In so einer Begegnung entsteht wirkliche Nähe zwischen Mann und Frau.

Eine so von Leben erfüllte Partnerschaft wirkt sich bereichernd und stärkend auf alle Lebensbereiche aus - auf die Kinder, auf die Arbeit, im Familien- und Freundeskreis.
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